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Diebstahl auf der Baustelle: Wer muss zahlen?

Diebstahl auf der Baustelle

Das Oberlandesgericht Saarbrücken urteilte vor wenigen Monaten, dass bei einem Diebstahl auf der Baustelle grundsätzlich der Handwerker haftet, wenn der Schaden vor Abnahme entstanden ist.

Im konkreten Fall hatte ein Bauunternehmer ein Einfamilienhaus für seinen Kunden gebaut. Da der Innenausbau aber noch ausstand, nahm der Bauherr den Neubau noch nicht ab. Der Handwerker übergab ihm allerdings schon den Hausschlüssel. Im Inneren des Hauses lagerte Baumaterial, das für den Innenausbau gebraucht wurde. Obwohl das leerstehende Gebäude abgeschlossen war, wurde nach einigen Tagen eingebrochen und Baumaterial gestohlen. Das entwendete Material bestellte der Bauherr auf eigene Kosten beim Lieferanten des Unternehmers nach, wollte es jedoch nach Abschluss der Bauarbeiten mit dem Werklohn des Handwerkers verrechnen. Dieser bestand jedoch auf seinem gesamten Lohn und verklagte den Bauherrn.

Das Oberlandesgericht urteilte zugunsten des Auftraggebers, denn nach Paragraf 644 BGB trage der Auftragnehmer vor Abnahme eines Werkes das Risiko für eine Beschädigung oder Zerstörung seiner Arbeit. Unter diese Regelung falle auch Material, Maschinen und Werkzeuge, die für die Werkarbeit benötigt werden und eben auch Diebstahl. Eigentlich sei also der Handwerker verpflichtet gewesen, das gestohlene Material zu ersetzen. Die Situation auf einer Baustelle entspräche nach Auffassung des Gerichts dieser Risikoverteilung. Der Bauunternehmer muss sicherstellen, dass das zur Arbeit notwendige Material sicher gelagert wird. Wenn die Baustelle zu unsicher erscheint, könne er sein Arbeitsmaterial auch im eigenen Betrieb aufbewahren. Auch die Übergabe des Hausschlüssel spiele keine Rolle, sie sei nicht als Endabnahme zu verstehen, da der Innenausbau ja noch ausgestanden habe und sich beide Parteien auch darüber einig waren. Der Bauherr handelte nach Meinung des Gerichts außerdem im Interesse des Handwerkers, als er die für die ausstehenden Arbeiten notwendigen Material bestellte – und das auch noch zu denselben Konditionen, die auch der Handwerker selbst bekommen hätte. Den Verlust habe also der Handwerker zu tragen.

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